Die Nothilfe-Lager im Kanton Zürich

Ein Überblick über die Nothilfe-Lager im Kanton Zürich. Die vormals offiziell
Nothilfeunterkünfte (NUK) genannten Lager werden seit 2019 offiziell als «Rückkehrzentren» (RKZ) bezeichnet.
 
RKZ Hammermühle, Kemptthal
RKZ Rohr, Glattbrugg
RKZ Urdorf
RKZ Ober Halden, Hinteregg
DZ Sonnenbühl, Oberembrach
 
 

NUK Info-Clip

NUK! - Wo Unrecht zu Recht wird ...

Der Videoclip zeigt Notunterkünfte (NUK) für abgewiesene Geflüchtete im Kanton Zürich: trostlose Orte im Niemandsland. Sie widerspiegeln die Situation der Menschen, die gezwungen sind, dort zu leben. Sind Sie sich bewusst, was für Zustände dort herrschen? 
Produktion: keinegrenzeseebach, 2018 

 RKZ Hammermühle, Kemptthal

In Kemptthal sind bis zu 100 alleinstehende Männer in dunklen Sechserzimmern mit Kajütenbetten auf zwei Ebenen untergebracht. Um sich einen letzten Rest an Privatsphäre zu bewahren, werden Tücher als Sichtschutz aufgehängt. Ein geräumiger, aber kühler Aufenthaltsraum und eine Küche mit vier alten Kochherden, aber ohne Kochuntensilien, dienen als Treffpunkt für die Untergebrachten. Im Nebenhaus, welches in sehr desolatem Zustand ist, sind Familien und Frauen in drei Einzelwohnungen untergebracht. Die Unterkunft ist abseits vom Dorf neben einem alten Industrieareal an der Hauptstrasse nach Winterthur, unter der Autobahnbrücke und vis à vis des Bahnhofs gelegen. In Lindau, der Gemeinde zu der Kempttahl gehört, gibt es weder eine Post noch einen Supermarkt. Bewohner*innen mit einer Eingrenzung können, um sich nicht strafbar zu machen, somit nur im kleinen Volg oder auf der Autobahnraststätte einkaufen. Um vom Nothilfelager weg zu kommen stehen ca. 10 Tageskarten des Zürcher Verkehrsverbunds zur Verfügung. Ein Teil davon ist bereits reserviert für diejenigen, die einen Termin haben, die restlichen können für 3 Franken im Büro bezogen werden. Die Chance eines dieser Tickets zu ergattern ist so klein, dass manche Bewohner*innen um 6 Uhr aufstehen und vor dem Büro warten, um dann um 8 Uhr vielleicht ein Ticket zu erhalten.
 

RKZ Rohr, Glattbrugg

Das Nothilfe-Lager in Glattbrugg steht in unmittelbarer Nähe einer der Startbahnen des Flughafens, neben dem Ausschaffungsgefängnis Und besteht aus 3 Baracken-Komplexen.
In einem Containerblock gibt es Massenschläge mit Kajütenbetten für 12 und 18 Personen. „Glückliche“ teilen sich in den beiden anderen Containerblöcken ein Zimmer von rund acht Quadratmetern mit ein bis zwei anderen Bewohnern. In jedem Block gibt es je drei Duschen und Toiletten sowie ein Kochherd. Der letzte Bus fährt jeweils um 20 Uhr und während dem Wochenende überhaupt nicht. Die nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeiten befinden sich in Rümlang, diese Gemeinde gehört aber zum Bezirk Dielsdorf. Rohr wird der Gemeinde Kloten zugerechnet. Zwischen Rohr und Kloten liegt der Flughafen Zürich. Dies bedeutet für Menschen mit einer Eingrenzung, dass sie erst den weiten Weg um den Flughafen gehen müssen, da nähergelegene Einkaufsmöglichkeiten nicht in ihrem Gebiet liegen.

RKZ Urdorf

Das «Rückkehrzentrum Urdorf», ein alter Zivilschutzbunker, ist eine Art Straflager.
Angeblich werden in dem Lager «nur Männer untergebracht, die straffällig wurden oder
aus disziplinarischen Gründen nicht in anderen Unterkünften bleiben können», wie die
zuständige Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich immer wieder in Medienitteilungen
behauptet hat. Besuchende treffen allerdings immer wieder auch Männer an, auf die
diese Kriterien nicht zutreffen. Es sind auch sehr junge, um die 20 Jahre alte
Menschen dort untergebracht.
Der Eingang zum Bunker befindet sich an einem Waldrand bei Urdorf, gleich neben
einem Stützpunkt der Kantonspolizei und wenige Meter von der Autobahn entfernt.
Maximal sollen dort etwa 80 Männer untergebracht werden, aktuell (August 2023) sind
jeweils 20 bis 30 Flüchtlinge anzutreffen. Die von der Firma ORS gemanagte
Unterkunft macht krank. Es gibt nur Kunstlicht und keine Fenster und keine Frischluft
und die Temperatur wird zentral gesteuert. Im kahlen «Aufenthaltsraum» gibt es
Schimmel. Krankheiten und Beschwerden aller Art sind verbreitet. Insbesondere
werden im RKZ Urdorf auch psychisch kranke Menschen untergebracht und
medikamentös ruhiggestellt. Es herrscht eine depressive, resignierte Stimmung. Viele
Bewohner verlieren jeglichen Antrieb für irgendwelche Aktivitäten. Es ist sehr schwierig
bis unmöglich, nachts normal zu schlafen, berichten Einwohner.
Manche Bewohner des RKZ Urdorf pendeln zwischen Gefängnis und Bunker hin- und
her. Dies, weil sie nicht ausreisen können oder wollen und deshalb wegen
Widerhandlung gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz verurteilt werden. Andere
werden «eingegrenzt», das heisst, sie dürfen die Gemeinde Urdorf oder den Bezirk
Dietikon nicht verlassen. Wer dagegen verstösst, kann ebenfalls zu Gefängnisstrafen
verurteilt werden. Wieder andere werden wegen Schwarzfahren und unbezahlten
Bussen zu Gefängnisstrafen verurteilt.

RKZ Ober Halden, Hinteregg

In Hinteregg befindet sich das «Rückkehrzentrum» Ober Halden des
Kanton Zürichs für Familien und alleinstehende Personen. Das
Gebäude, eine ehemalige Psychiatrie, befindet sich sehr abgelegen von
Zürich, aber auch vom Dorfzentrum mit seinen Einkaufsmöglichkeiten
und dem Bahnhof. Das Gebäude vereint auf drei Stockwerken verteilt 23
sehr kleine Zimmer (für ein bis zwei Personen), 8 mittlere Zimmer (für
drei bis vier Personen) und 3 grosse Zimmer (für fünf bis acht
Personen).So müssen Familien auf kleinstem Raum zusammen leben
und es kommt sogar vor, dass sie diese mit weiteren Personen oder
Familien teilen müssen. Das Spielzimmer, das seit Herbst 2022 existiert,
ist nur drei Mal wöchentlich geöffnet. Für die Kinder bietet sich daher
kaum Platz zum Spielen, geschweige denn zum Lernen. Diese
Lebensumstände fördern Konflikte und gefährden die Kinder in ihrer
Entwicklung. Der körperliche und psychische Zustand der Menschen
verschlechtert sich merklich, je länger sie dort leben müssen.
Unmittelbar vor dem Haus führt eine Schnellstrasse durch, deren Trottoir
auch als Schulweg genutzt werden muss. In der Schule wurden die
Kinder bis zum Einleiten von rechtlichen Schritten standardmässig in der
Aufnahmeklasse behalten, auch über die kantonal festgelegte maximale
Dauer von einem Jahr hinaus. In der Gemeinde Egg sind nur wenige
solidarische Strukturen vorhanden, die lokale Bevölkerung engagiert sich
nicht im Lager und wo sie dies anstrebt, erfährt sie vom Kantonalen
Sozialamt Zürich wenig Unterstützung.

DZ Sonnenbühl, Oberembrach

Das Durchgangszentrum (DZ) Sonnenbühl gehört eigentlich nicht zur Nothilfestruktur. Das DZ fungiert regelmässig als Zwischenlösung für geflüchtete Menschen sowohl mit Aufenthaltsstatus (im Verfahren) als auch für Personen ohne Aufenthaltsstatus (negative Asylentscheide, Menschen im Dublin-Verfahren) Das DZ befindet sich sehr abgelegen auf einem Hügel zwischen Oberembrach und Winterthur. Mit dem ÖV ist es nicht erreichbar. Unter der Woche fahren täglich vier Shuttlebusse vom Camp aus nach Winterthur, am Samstag zwei und am Sonntag keiner. Die Platzverhältnisse im Camp sind prekär. Es gibt beispielsweise sechsköpfige Familien, welche sich gemeinsam ein kleines Zimmer teilen. Einzelpersonen schlafen unter ebenso engen Platzverhältnissen in Massenschlägen. Es gibt eine Schule im Lager selbst, wo Kinder jeweils fünf halbe Tage pro Woche in die Schule gehen. Einige Erwachsene besuchen Deutschkurse an verschiedenen Orten. Es gibt keinen separaten Besuchsraum. Besuchende dürfen sich jedoch im Gemeinschaftsraum aufhalten.
 
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Samstag 9. September 2023
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